Turnverein 1873 e. V. Hausen - Historie des Vereins

1866-1873

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten sich rund um die damalige Gemeinde Hausen etliche Turnvereine und folgten damit einem Trend dieser Zeit. Dem wollten auch einige Männer der Gemeinde nicht nachstehen und gründeten 1861 einen Turnverein – nachweisbar aufgrund der ersten offiziellen Statistik des Deutschen Turnerbundes zum Stichtag 1. Juli 1862. Diese belegt, dass der TV Hausen zu dieser Zeit 22 Mitglieder besaß, die alle dem Berufsstand „Handwerker“ angehörten. 1866 wurde der noch junge Verein jedoch verboten - wie es hieß „wegen der demokratischen Gesinnung“. Über die Geschehnisse im Verein zwischen 1866 und 1873, dem Jahr der Wiedergründung, ist kaum etwas bekannt.

1873-1923

Über das Datum der Wiedergründung liegen verlässliche Belege vor, insbesondere aus dem Vereinsregister, das zweifelsfrei die Vereinsgründung des Turnvereins Hausen am 1. Mai 1873 belegt. Über die Männer der ersten Stunde ist wenig bekannt, namentlich sind nur Jakob Keller und Johann Scheurich als Gründer genannt. Das Vereinsleben dürfte damals aus regelmäßig abgehaltenen Turnstunden und die Durchführung von anderen Veranstaltungen, z. B. Weihnachtsfeiern, bestanden haben. Im Jahre 1885 hat der TV Hausen laut eines Eintrags in der Chronik der TG Hanau ein Gauturnfest ausgerichtet. Am 8. Mai 1898 fand zudem das Gau-Anturnen in Hausen statt. Während des ersten Weltkrieges dürfte laut der Protokollbücher der damaligen Zeit das Vereinsleben nicht geruht haben und so gab es ab 1919 einen vollen Terminkalender mit Turnfesten und vielem mehr. Auch sportlich ging es weiter aufwärts. So nahm eine Delegation des TV Hausen z. B. vom 22. bis 25. Juli 1922 am ersten Deutschen Arbeiter-Turn- und Sportfest in Leipzig teil und zeigte gemeinsam mit 16.000 anderen Turnern ihre Freiübungen auf dem dortigen Festplatz.

1923-1932

1923, im 50. Jahr des Bestehens, war der TV Hausen an der Vorbereitung der ersten Internationalen Arbeiter-Olympiade in Frankfurt beteiligt. In einer entsprechenden Urkunde wir der Verein als „Freie Turnerschaft Hausen“ bezeichnet, ein wichtiges Indiz dafür, dass der TV Teil der Arbeitersportbewegung und deren freiheitlichen Zielen geworden war und sich sehr bewusst von deutschen Turnerbund abgewandt hatte. Protokolliert ist bezüglich der Olympiade, dass der Verein diese zu 100 Prozent besucht hat. Leider ist jedoch nichts zu eventuellen Erfolgen vermerkt. Allerdings waren zu dieser Zeit die Leichtathleten der 4x100 Meter-Staffel aufgrund ihrer sportlichen Leistungen weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt: Georg Ott, Nikolaus Keller, Peter Keller und Servatius Bernardus. Im Jahr 1926 begann der Turnverein mit dem Bau einer Turnhalle und erwarb Grund und Boden von mehreren hundert Quadratmetern (s. Kapitel Sportgelände und Vereinsheime). Im gleichen Jahr beschloss der Verein, die Gründung einer Fußballabteilung. 1931 fand die zweite Arbeiter-Olympiade in Wien statt, von der den Daheimgebliebenen über große Erfolge berichtet werden konnte. Servatius Bernardus und Peter Döbert gehörten zur deutschen Mannschaft und auch zur damaligen Weltspitze der Leichtathletik. Die letzte große Leistung des Vereins vor der Auflösung durch die Nationalsozialisten war der Bau einer Sportplatzanlage mit einer 400 Meter-Laufbahn. Diese wurde im Juni 1932 mit zwei Festtagen eingeweiht, zur damaligen Zeit ein Glanzpunkt in der Geschichte des Vereins.

1933-1945

Am 8. Juni 1933 wurde der TV Hausen von den Nationalsozialisten aufgelöst und enteignet. Es muss davon ausgegangen werden, dass von da an bis 1945 kein aktives Vereinsleben mehr stattfand. Da nicht alle Vereine der Gemeinde Hausen verboten wurden, fanden viele TV-Sportler anderswo eine neue Heimat. Die 1926 erbaute Turnhalle wurde vom damaligen nationalsozialistischen Bürgermeister Otto Hecker an NS-Jugendorganisationen vermietet und das TV-Gelände auf den Volksstaat Hessen umgeschrieben.

1946-1975

Im November 1947 beschlossen ca. 60 Mitglieder, den Verein wiederzubeleben. Mit viel Entschlossenheit und auch Glück gelang es, günstige gebrauchte Turngeräte zu erwerben und damit die während der NS-Diktatur entwendete oder zerstörte Ausrüstung zu ersetzen. Nachdem das Hessische Justizministerium den Antrag auf Wiedergründung genehmigt hatte, wurde der Turnverein 1873 Hausen e.V. am 30. Mai 1949 neu im Vereinsregister eingetragen. In den 1950er Jahren waren die Leichtathleten des TV Hausen weiter erfolgreich – allerdings nur in wenigen Disziplinen, z.B. in Spring- und Staffelläufen. 1949 wurde eine Handballabteilung gegründet, die jedoch nur zwei Jahre bestand. 1951 wurde der Beschluss gefasst, eine Fußballabteilung zu gründen. In dieser Zeit sorgen die Turner für zahlreiche Siege auf Gau- und Landesebene. Der größte Erfolg war zweifellos die Deutsche Meisterschaft 1955 von Gerhard Hofmann im Zwölfkampf. Dieser und viele andere Erfolge im Bereich Turnen sorgten in den 1960er Jahren für einen großen Zuspruch, insbesondere beim Kinder- und Jugendturnen. In dieser Zeit machten auch die Fußballer mit ihren größten Erfolgen auf sich aufmerksam.

1976 - heute

Am 15. April 1976 gründete der TV Hausen mit 166 Gründungsmitgliedern und zwei Tennisplätzen seine Abteilung Tennis. Abteilungsleiter der ersten Stunde war Leons Becker. Die Tennisspielerinnen und -spieler nahmen von da an regelmäßig an Medenrunden, Stadtmeisterschaften und Vereinsmeisterschaften teil. Auch sportliche Erfolge und Aufstiege in höherklassige Ligen blieben nicht aus. Darüber hinaus wurde 1983 in unzähligen Arbeitsstunden ein eigenes Vereinsheim gebaut, die Tennishütte.

Seit dem 01.07.2011 ergänzt die Abteilung Tanzsport das sportliche Angebot des TV Hausen. Gut 250 Mitglieder nutzen die vielfältigen Trainingsangebote, an denen bereits ab drei Jahren teilgenommen werden kann, und nehmen sehr erfolgreich an nationalen und internationalen Meisterschaften teil. Dabei sprangen in den vergangenen Jahren mehrere Europameistertitel und Meisterschaften für die Wettkampfgruppen heraus. Das Training findet in verschiedenen städtischen Turnhallen statt.
Doch Tanzsport ist nicht die letzte, neu hinzugekommene Sportart im Vielspartenverein TV Hausen. Der Verein reagiert beständig auf sportliche Trends, zum Beispiel durch einzelne neue Angebote wie Zumba oder Nordic Walking. Neu hinzugekommen sind dadurch auch die Gruppen Flagfootball und Basketball.